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Deutsche Gesellschaft für Soziologie ArtikelDie Deutsche Gesellschaft für Soziologie e.V. (DGS) ist eine wissenschaftliche Vereinigung zur Förderung der soziologischen Forschung und Lehre. Der gemeinnützige Verein hat sich zu dem Absicht gesetzt, "sozialwissenschaftliche Probleme zu erörtern, die wissenschaftliche Kommunikation der Mitglieder zu fördern und an der Verbreitung und Vertiefung soziologischer Kenntnisse mitzuwirken".
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Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie e. V. wurde 1909 von einer Gruppe von 39 Wissenschaftlern gegründet, deren keiner hauptberuflich "Soziologe" war. Als erster Präsident wurde Ferdinand Tönnies gewählt, der 1933 in Opposition zu dem nationalsozialistischen Regime sein Amt niederlegte, als auch bereits ein Teil der Mitglieder das Land verlassen hatten. Sein Nachfolger, Hans Freyer, stellte 1934 alle Aktivitäten der DGS ein. In der Folge blieb sie bis 1945 inoperativ. Über den genauen Hergang, die Rolle und evt. Aktivität der DGS während der Zeit des Nationalsozialismus besteht unter den Soziologen allerdings keine Einigkeit, Dokumente aus dieser Zeit verbrannten während des Krieges. (Ein ziemlich vollständiger Korpus von Dokumenten von 1909 bis 1933 befindet sich jedoch in dem Nachlass von Ferdinand Tönnies in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel.)
Nach 1945 wurde die DGS wieder gegründet, und Leopold von Wiese wurde ihr erste Präsident. Ihm folgte Helmuth Plessner. Ab dem Berliner Soziologentag zu dem 50. Jahrestag der DSG 1959 formierten sich die drei großen Schulen der Soziologie der Nachkriegszeit: die Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, die Kölner Schule von Leopold von Wiese und Rene König und die dritte Richtung, die mit Helmut Schelsky in Münster in Verbindung gebracht wird (vgl. dazu auch: Leipziger Schule).
Die folgenden Soziologentage der DGS wurden zu dem Ort der Auseinandersetzung zwischen der Kritischen Theorie und dem Kritischen Rationalismus in dem sog. Positivismusstreit, ohne dass sich eine Lösung abzeichnete. Neuen Stoff für Auseinandersetzungen lieferte die 68er Studentenbewegung. Diesmal verlief die Front zwischen Herbert Marcuse und Theodor W. Adorno auf der einen und Ralf Dahrendorf, dem derzeitigen Vorsitzenden der DGS, auf der anderen Seite. Der Vorstand der DGS sah die Einheit der Gesellschaft gefährdet und sah sich von der Außerparlamentarischen Opposition (APO) mit ihren marxistischen Theorieansätzen bedroht und es kam zu einem Moratorium von sechs Jahren bevor ein neuer Soziologentag einberufen wurde. Die Absichte und die Struktur der DGS wurden neu definiert und eine Veränderung weg von einer Gelehrtengesellschaft hin zu einer breiteren Basis eingeleitet, indem die Mitgliedschaft nicht mehr ca. auf Professoren beschränkt, sondern auf Promovierte ausgeweitet wurde.
Bis in die 1990er Jahre beschäftigt sich die DSG schwerpunktmäßig mit der Ausarbeitung eines Lehrkanons der Soziologie und dem Entwurf von Richtlinien für die Ausstattung von Studiengängen an den Universitäten. Die Deutsche Wiedervereinigung stellt die nächste Herausforderung für die Soziologen-Gesellschaft dar, nach dem sich kurz vor der Wende eine Deutsche Gesellschaft für Soziologie Ostdeutschland gegründet hatte, die sich dann 1992 wieder auflöste. Ergebnis von Verhandlungen mit der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Ostdeutschland und dem "Berufsverband Deutscher Soziologen " (BDS), war 1992 die Formulierung eines gemeinsamen "Ethikkodex" für Soziologinnen und Soziologen. Der Ethikkodex legte Normen für das Verhalten von lehrenden und forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern fest und wurde in einer gemeinsamen "Ethikkommission" der Verbände exekutiert.
Zur gleichen Zeit wurde die Nennung "Deutscher Soziologentag" auf Wunsch der erstarkenden Sektion "Frauenforschung" in die geschlechtsneutrale Nennung "Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie" geändert.
In den 90er Jahren fanden zwei Soziologenkongresse erstmals in ostdeutschen Städten (Halle und Dresden) statt und die DGS richtete zusammen mit der Universität Bielefeld 1994 den von der International Sociological Association (ISA) einberufenen Weltkongress der Soziologie aus, der 4 Tausend Soziologen nach Bielefeld führte. Zusätzlich wurde die schon zu Beginn der DGS bestehende Zusammenarbeit mit Soziologen aus Österreich und der Schweiz neu belebt.
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Die DGS ist über ein Jahrhundert von einer exklusiven Gelehrtengemeinschaft zu einer breiten Vereinigung von soziologisch arbeitenden Wissenschaftlern mit rd. 1400 Mitgliedern (2004) herangewachsen. Sie umfasst zahlreiche Sektionen und Arbeitsgruppen zu den verschiedenen soziologischen Fragestellungen und Theorieansätzen, die eigene Arbeitstagungen abhalten. Daneben entwickeln sich die Soziologenkongresse zu Großveranstaltungen mit über 3 Tausend Teilnehmern, und damit - laut Selbstanalyse der DGS auf der Webseite der Gesellschaft - zu einem "Massenereignis mit kollektiven Ritualen", das die "latente Funktion der sozialen Integration der Soziologen in Deutschland und auch darüber hinaus" besitzt.
Seit Mitte der 90er Jahre scheint in die Arbeit und die Diskussion in der DGS eine vorher nicht gekannte Phase der Ruhe eingetreten zu sein. Selbst die vorher vielgeschmähte qualitative Sozialforschung, um deren Grundthesen vor 50 Jahren erhitzte Debatten geführt wurden, ist mit einer eigenen Sektion neuerdings salonfähig geworden. Diese Entwicklung kann in zweierlei Weise gedeutet werden: Entweder spiegelt die DSG die Situation der Soziologie als Wissenschaft, die nach einem Jahrhundert Kampf um ihre Etablierung und Anerkennung als Wissenschaft eine feste Basis an Grundannahmen und Methoden herausgebildet hat, die sie nun in den unterschiedlichsten Bereichen anwendet und ausweitet, Erkenntnis auf Erkenntnis häufend, zur Erweiterung des universellen Gebäudes der Wissenschaft beitragend. Oder: die Soziologie, die sich hier darstellt, ist mit unsichtbaren Banden an ihr "Objekt", die Gesellschaft, gekettet ist und erleidet deren Schicksal einer Differenzierung in das Unendliche, einer Übersättigung durch das Detail und einer Entkräftung durch Banalität, so dass die wirklich menschheitsbewegenden Fragen mit müdem Abwinken in Vergessenheit geraten.
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